GAEB mit KI analysieren und kalkulieren: Tools im Vergleich

Welche KI-Tools GAEB-Dateien analysieren, Preise zuordnen und Leistungsverzeichnisse durchkalkulieren. Mit konkreten Anwendungsfällen und einem Einblick in die Angebotskalkulation mit 90/10.

CTO & Co-Founder, 90/10

7. September 2026

7. September 2026

Sie wollen mit KI ein Leistungsverzeichnis durchkalkulieren und ein Angebot abgeben. Dafür brauchen Sie zu jeder Position einen nachvollziehbaren Preis. Ein passender Katalogartikel allein reicht dafür selten aus. Zur ausgeschriebenen Leistung können Zubehör, Montage, Geräteeinsatz oder Arbeiten eines Nachunternehmers gehören.

Dieser Artikel zeigt, welche Tools Ihnen bei welchem Teil der Arbeit helfen. Anschließend gehen wir die Kalkulation in 90/10 an einer Kabeltrasse durch: Welche Quelle passt zur Position? Wie werden Mengen und Preise vergleichbar? Welche Kosten fehlen noch? Und was sollte sich die KI aus Ihrer Korrektur merken?

Eine Einführung in die Dateiformate finden Sie unter Leistungsverzeichnisse verstehen: GAEB, Excel und PDF.

Welches KI-Tool passt zu Ihrer Aufgabe?

Die folgenden Ansätze unterscheiden sich durch ihr Ergebnis. Eine Ausschreibungsanalyse liefert Fundstellen und offene Fragen. Ein Preisabgleich findet ähnliche Leistungen oder Produkte. Eine agentische Kalkulation bearbeitet mehrere Arbeitsschritte bis zum Angebotsentwurf. Manche Anbieter decken mehrere dieser Aufgaben ab.

Ausschreibungen analysieren und über die Teilnahme entscheiden

BlackSwanAI erstellt Ausschreibungs-Dossiers mit Risiken, Klärungsfragen und einer Teilnahmeempfehlung. Das ist nützlich, wenn viele Anfragen eingehen und Sie zuerst entscheiden müssen, welche davon zur eigenen Mannschaft und zum Betrieb passen.

Das Analyse-Modul von TenderStrike erfasst Fristen, Eignungskriterien und geforderte Nachweise mit Fundstellen. Ein konkreter Einsatz ist der Abgleich einer geänderten Ausschreibung mit dem bisherigen Stand. TenderStrike bietet daneben weitere Module für Kalkulation und Angebote an.

Vorhandene Preise und Produkte wiederverwenden

Der GAEB-KI-PreisNavigator von GAEB-Online sucht ähnliche Positionen in früheren GAEB-Angeboten und schlägt daraus Preise vor. Die Daten bleiben lokal auf dem PC. Das passt zu Betrieben mit vielen wiederkehrenden Leistungen und einer gepflegten Angebotshistorie. Ob der alte Preis auch die neuen Montagebedingungen abdeckt, müssen Sie gesondert beurteilen.

GAEB.ai gleicht LV-Positionen mit Produktkatalogen ab und unterstützt die Auswahl von Zubehör, Alternativen und Zuschlägen. Der Ansatz ist besonders dann interessant, wenn Sie ausgeschriebene technische Anforderungen passenden Artikeln aus vorhandenen Produktdaten zuordnen wollen.

kinisto richtet sich an den Baustoffhandel. Die KI hilft, Kundenanfragen passenden Produkten aus dem eigenen Sortiment zuzuordnen. Das unterstützt den Händler beim Lieferangebot. Die Montagekosten des ausführenden Fachunternehmens sind eine andere Kalkulationsaufgabe.

Das LV mit einem KI-Agenten durchkalkulieren

In 90/10 geben Sie einen Arbeitsauftrag für das LV. Der Agent zieht Positionstexte und Vorbemerkungen heran, sucht in den bereitgestellten Preisquellen und erstellt Kostenansätze. Er kann anschließend betroffene Positionen auf Ihre Anweisung überarbeiten. Eigene Preise und Zeitvorgaben bleiben dabei maßgeblich.

Für Fachunternehmen sehen wir hier den größten Nutzen. Steht in den Vorbemerkungen, dass im laufenden Betrieb gearbeitet wird, muss diese Vorgabe bei der Kalkulation der Montage ankommen. Ändern Sie später den Zeitansatz, soll der Agent mit Ihrer Vorgabe weiterarbeiten. Genau diese Verbindung zwischen Anforderung, Quelle und Bearbeitung ist der Grund, warum wir 90/10 agentisch aufbauen.

Bringen Sie Ihr nächstes LV mit.

Wir zeigen Ihnen, wie 90/10 Ihre Ausschreibung auswertet, eigene Preisquellen einbezieht und einen Angebotsentwurf zur Prüfung vorbereitet.

Eine Kabeltrasse mit 90/10 kalkulieren

Laden Sie das LV und die verfügbaren Lieferanten- oder Nachunternehmerangebote hoch. Importierte DATANORM-Kataloge und passende frühere Angebote können ebenfalls als Quellen dienen. Hinterlegen Sie die Lohnsätze und Zuschläge Ihres Betriebs.

Ein Arbeitsauftrag kann lauten: “Kalkuliere die Kabeltrasse mit unseren Preisquellen. Berücksichtige Zubehör, Montage und benötigte Geräte. Zeige mir pro Position die verwendete Quelle und welche Kosten oder Angaben noch fehlen.”

Erst den Leistungsumfang klären

Im Kurztext steht “Kabelrinne, 120 m”. Der Langtext verlangt zusätzlich Verbinder und Befestigungen. Die Vorbemerkungen beschränken die Arbeiten auf bestimmte Zeitfenster im laufenden Betrieb. Wer nur nach einer Kabelrinne im Katalog sucht, hat damit erst einen Teil der Leistung bepreist.

90/10 bezieht relevante übergeordnete LV-Texte in die Positionsanalyse ein. An der Position sollten Sie anschließend erkennen können, welches Zubehör enthalten sein muss und welche Ausführungsbedingungen den Ansatz beeinflussen. Fehlt beispielsweise die Montagehöhe, lässt sich der Bedarf an einer Hubarbeitsbühne noch nicht entscheiden. Das ist eine konkrete Rückfrage an den Auftraggeber.

Schematische Darstellung der Positionsanalyse in 90/10: Vorgaben aus dem LV werden zu Anforderungen und Prüfpunkten.

Einkaufspreise und frühere Angebotspreise auseinanderhalten

Ein früheres Angebot enthält vielleicht 28 Euro je Meter für die fertig montierte Kabelrinne. Ein Lieferantenangebot nennt 12 Euro je Meter für das Material. Daraus folgt keine Ersparnis von 16 Euro. Im ersten Betrag können bereits Lohn, Zubehör und Ihre Zuschläge stecken.

Nutzen Sie den alten Angebotspreis als Vergleich für die gesamte Leistung. Für einzelne Kostenansätze brauchen Sie die frühere Aufschlüsselung oder eine Quelle, deren Umfang bekannt ist. In 90/10 können Sie dazu frühere Angebote und neue PDF-Angebote heranziehen. Bei einem Nachunternehmerpreis für “Liefern und montieren” dürfen Sie Material und Montage nicht zusätzlich für denselben Umfang ansetzen.

Auch die Preiseinheit verändert das Ergebnis. Stehen im Lieferantenangebot 1.200 Euro je 100 Meter, sind das 12 Euro je Meter. Für die ausgeschriebenen 120 Meter ergeben sich 1.440 Euro Materialkosten vor weiteren Kosten oder Zuschlägen. Lassen Sie sich bei einer Übernahme deshalb Quellmenge, Preiseinheit und verwendeten Einzelpreis zeigen.

Bei Kabelpreisen kommt die Zuschlagsbasis hinzu. Die DATANORM-Übersicht führt unter anderem Rabattgruppen, Rohstoffzuschläge und Staffelpreise auf. Enthält Ihr Quellpreis bereits den Kupferzuschlag, wäre ein zweiter Ansatz zu viel. Fehlt er, wäre die Kalkulation zu niedrig. Maßgeblich sind die Angaben der verwendeten Lieferantenquelle.

Schematische Darstellung der Preisquellen in 90/10: Lieferantenangebot, DATANORM und frühere Kalkulation werden gegenübergestellt.

Geräte und Fremdleistungen vollständig zuordnen

90/10 unterscheidet Material, Lohn, Geräte und sonstige Kosten. Für den Angebotspreis kommen Ihre Zuschläge hinzu. Bei der Kabeltrasse gehören je nach Ausführung etwa Bühnenmiete, Anlieferung oder eine Brandschottung durch einen Nachunternehmer dazu.

Kostet die Bühne für den benötigten Einsatz einschließlich Anlieferung 300 Euro und dient sie ausschließlich der 120 Meter langen Kabeltrasse, entspricht das 2,50 Euro je Meter. Arbeiten Sie damit auch an anderen Positionen, müssen Sie die 300 Euro nach einer passenden Grundlage verteilen, etwa der jeweiligen Nutzungszeit. Setzen Sie dieselbe Miete nicht bei jeder Position vollständig an. Sieht das LV eine eigene vergütete Position dafür vor, berücksichtigen Sie diese Zuordnung.

Geben Sie dem Agenten solche Entscheidungen ausdrücklich vor: “Die Bühne wird für diese beiden Positionen genutzt. Verteile die Mietkosten nach Montagezeit und zeige die Aufteilung.” Am Ergebnis müssen sich die Teilbeträge wieder zur gesamten Miete addieren. So lässt sich die Verteilung kontrollieren.

Zeitansätze korrigieren und den Grund speichern

Erhöhen Sie einen Montageansatz von sechs auf acht Minuten je Meter, steigt der Zeitbedarf bei 120 Metern von zwölf auf 16 Stunden. Bei einem hinterlegten Kalkulationssatz von 50 Euro je Stunde sind das 200 Euro zusätzliche Lohnkosten vor weiteren Zuschlägen. Eine kleine Änderung am Einzelansatz kann den Positionspreis also spürbar verändern.

Speichern Sie dazu in 90/10 die Begründung, zum Beispiel: “Acht Minuten wegen zusätzlicher Befestigungsarbeiten im Bestand. Für die übliche Neubauausführung bleiben sechs Minuten angesetzt.” Das Gedächtnis hält ausdrücklich gespeicherte Korrekturen samt Positionskontext fest. Bei ähnlichen Arbeiten kann die KI diese Erfahrung wiederfinden. Die Zahl allein würde ihr nicht sagen, wann der höhere Ansatz passt.

Testen Sie die Wiederverwendung an einer Bestands- und einer Neubauposition. Greift die KI die Begründung passend auf oder verwendet sie überall acht Minuten? Prüfen Sie auch, ob eine später geänderte Vorgabe berücksichtigt wird. Solche Aktualisierungen und zeitlichen Zusammenhänge gehören zu den Fähigkeiten, die der Forschungsbenchmark LongMemEval untersucht.

So beurteilen Sie den ersten KI-Entwurf

Nehmen Sie für einen Vergleich der Tools fünf Positionen aus einem bereits abgeschlossenen LV: eine wiederkehrende Standardleistung, eine mit Zubehör, eine mit Geräteeinsatz, eine Fremdleistung und eine mit geänderten Montagebedingungen. Nutzen Sie für alle Tools dieselben Unterlagen. Vergleichen Sie die ausgewählten Quellen, den enthaltenen Leistungsumfang und die Kosten mit Ihrer vorhandenen Kalkulation.

Zählen Sie vor allem die nötigen Korrekturen. Ein Preisvorschlag spart wenig Arbeit, wenn Sie danach den Leistungsumfang neu auseinandernehmen müssen. Ein brauchbarer Entwurf zeigt Ihnen, woher der Preis kommt, was er abdeckt und welche Entscheidung noch offen ist.

Warum sich dieser Vergleich lohnt, zeigt ein SSRN-Preprint vom Mai 2026. Zehn Bauingenieure kalkulierten jeweils 36 Kostenpositionen. Mit KI brauchten sie rund 44 Prozent weniger Zeit. Die mittlere absolute prozentuale Preisabweichung war allerdings höher: 9,85 Prozent gegenüber 5,51 Prozent bei manueller Bearbeitung. Das war ein anderes System und kein Test von 90/10. Messen Sie bei Ihrem eigenen Versuch deshalb die Zeit bis zum freigabefähigen Angebot, einschließlich Ihrer Korrekturen.

Über den Autor

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Moritz Mauruschat

CTO & Co-Founder, 90/10

Moritz Mauruschat ist CTO und Mitgründer von 90/10 und entwickelt seit 2024 Software für das Handwerk. Nach Techcrafts, Kraft Labs und dem HPI Engine Incubator arbeitet er heute an KI für die Auswertung von Ausschreibungen und prüfbare Angebotskalkulationen.

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