Preisspiegel für Elektro-Betriebe: Lieferantenangebote richtig vergleichen
Lieferantenangebote für Elektro-LVs vergleichen: Zubehör, Preisbasis, Fracht und Liefertermin. Mit Rechenbeispiel, Excel-Vorlage und Preisübernahme in 90/10.

Moritz Mauruschat
CTO & Co-Founder, 90/10
Drei Großhändler bieten Material für dasselbe Elektro-LV an. Trotzdem können Sie die Endsummen oft nicht direkt vergleichen. Ein Angebot enthält das Befestigungszubehör, ein anderes nennt es separat. Ein drittes ist günstiger, liefert aber erst nach dem geplanten Montagetermin.
Ein Preisspiegel stellt diese Angebote auf dieselbe Grundlage. Als Kalkulator, Einkäufer oder Inhaber sehen Sie damit, welcher Lieferant die benötigte Ausführung vollständig und rechtzeitig liefert. Dieser Artikel zeigt den Vergleich an 100 Leuchten und erklärt, wie die ausgewählten Preise anschließend in die Kalkulation mit 90/10 eingehen.
Wenn Sie als Generalunternehmen komplette Gewerke vergeben, lesen Sie stattdessen Nachunternehmerangebote im Preisspiegel vergleichen.
Erst die Artikel vergleichen, dann die Preise
Beginnen Sie mit dem Bedarf aus dem LV. Bei einer Leuchte können Lichtstrom, Schutzart, Abmessungen oder die Art der Steuerung darüber entscheiden, ob ein angebotener Artikel überhaupt passt. Die gleiche Wattzahl bestätigt keine gleiche Ausführung. Notieren Sie pro LV-Position den geforderten Artikel oder die technischen Merkmale und stellen Sie die angebotenen Artikel daneben.
ETIM International beschreibt Produkte über Klassen, Merkmale, Werte und Einheiten. Solche strukturierten Angaben helfen beim Abgleich verschiedener Hersteller. Die Zugehörigkeit zur gleichen Klasse allein bestätigt noch keine Gleichwertigkeit. Maßgeblich bleiben die Anforderungen der ausgeschriebenen Leistung und die tatsächlichen Merkmalswerte.
Halten Sie Zubehör als eigenen Prüfpunkt fest. Sind Treiber, Montagesets, Verbinder oder Befestigungen enthalten? Eine leere Zeile bedeutet zunächst, dass die Angabe fehlt. Erst eine Bestätigung des Lieferanten macht daraus eine enthaltene Leistung oder einen zusätzlichen Preis.
Was aus drei Leuchtenangeboten vergleichbare Beträge macht
Für die folgende Rechnung werden 100 Leuchten samt 100 Montagesets und Lieferung benötigt. Alle Beträge sind netto. Die Zahlen dienen dazu, den Rechenweg zu zeigen.
Anbieter A verlangt 8.000 Euro für die Leuchten, 500 Euro für die Montagesets und 200 Euro Fracht. Der vollständige Bezugspreis beträgt 8.700 Euro.
Anbieter B nennt 7.700 Euro für die Leuchten und 300 Euro Fracht. Die Sets fehlen im Angebot. Nach der Rückfrage bestätigt er dafür weitere 800 Euro. Der vergleichbare Betrag steigt auf 8.800 Euro. Vor dieser Antwort wären die zunächst bekannten 8.000 Euro keine vollständige Vergleichssumme gewesen.
Anbieter C bietet Leuchten einschließlich Sets für 8.400 Euro an. Er gewährt zwei Prozent Rabatt auf diesen Betrag und berechnet 150 Euro Fracht separat. Daraus werden 8.400 × 0,98 + 150 = 8.382 Euro. Den Rabatt auch von der Fracht abzuziehen, würde die vereinbarte Preisgrundlage verändern.
C ist damit 318 Euro günstiger als A. Die Leuchten werden jedoch in vier Wochen gebraucht; C nennt acht Wochen Lieferzeit, A drei. Der nächste Schritt ist deshalb eine Terminrückfrage bei C. Eine Teilmenge aus Lagerbestand könnte helfen, muss aber vom Lieferanten bestätigt werden. Tragen Sie die Zusage mit Datum ein. Bis dahin bleibt C für die Bestellung ungeklärt.
Preisbasis und Mengen sauber umrechnen
Vergleichen Sie Preise immer für dieselbe Bezugsmenge. Bei 168 Euro je 100 Meter Kabel beträgt der Einzelpreis 1,68 Euro je Meter. Ein Karton mit zehn Montagesets ist ebenfalls etwas anderes als ein Preis je Set. Die Verpackungsmenge kann außerdem dazu führen, dass Sie mehr bestellen müssen als im LV steht.
Bei DATANORM-Daten gehören Preisstand und Konditionen zur Quelle. Die DATANORM-Übersicht führt unter anderem Rabattgruppen, Rohstoffzuschläge und Staffelpreise auf. Prüfen Sie bei Kabeln, ob der Kupferzuschlag bereits im verwendeten Preis steckt. Übernehmen Sie einen bestätigten Nettoangebotspreis nicht noch einmal mit dem allgemeinen Katalograbatt.
Trennen Sie den Einkaufspreis von Ihrem Angebotspreis an den Auftraggeber. Ein früherer Einheitspreis für fertig montierte Leuchten kann bereits Lohn und betriebliche Zuschläge enthalten. Er ist daher keine Materialpreisquelle ohne weitere Aufschlüsselung.
Excel-Vorlage für den Lieferantenvergleich
Die Excel-Vorlage für Elektro-Betriebe herunterladen enthält das Leuchtenbeispiel mit veränderbaren Mengen, Preisen, Rabatt und Fracht. Sie berechnet den Vergleichsbetrag und stellt Lieferzeit und technische Eignung daneben. Fehlt ein Preis, bleibt die Summe leer. Eine Null tragen Sie nur ein, wenn der Kostenpunkt nachweislich enthalten oder nicht erforderlich ist.
Ersetzen Sie die Beispielwerte durch Ihre Angebote und vermerken Sie je Anbieter die Angebotsnummer oder Preisbestätigung. Die Vorlage verwendet einen Rabatt auf Leuchten und Zubehör, nicht auf Fracht. Bei anderen Konditionen passen Sie die Berechnung an. Für umfangreiche GAEB-Angebote kann wingaeb Preisspiegel den Import und Vergleich in Excel übernehmen.
Die ausgewählten Preisquellen in 90/10 weiterverwenden
In 90/10 können Sie PDF-Angebote von Lieferanten einlesen und importierte DATANORM-Kataloge für die Kalkulation heranziehen. Der Agent ordnet angebotene Produkte und Leistungen den LV-Positionen zu. Die verknüpften Angebotszeilen bleiben an der Kalkulation nachvollziehbar.
Ein Auftrag für die Bearbeitung kann lauten: “Ordne die drei Lieferantenangebote dem Leuchten-LV zu. Zeige, wo Montagesets fehlen und welche Frachtkosten anfallen. Übernimm zunächst keine ungeklärten Ersatzprodukte.”
Beim Leuchtenbeispiel klären Sie zuerst das Zubehör von B und den Liefertermin von C. Entscheiden Sie sich anschließend für A, geben Sie dessen Leuchten und Montagesets als Preisgrundlage vor. Berücksichtigen Sie die Fracht einmal für die Bestellung. Ein bereits festgelegter Montagezeitansatz bleibt bei der Änderung der Materialquelle maßgeblich.
Die KI hilft besonders bei unterschiedlich aufgebauten Angebotszeilen und langen Leistungsbeschreibungen. Ihre Kontrolle konzentriert sich auf die Zuordnung: Deckt der ausgewählte Artikel die geforderte Ausführung ab, ist das Zubehör vollständig, stimmt die Preiseinheit? Wie 90/10 daraus weitere Kostenansätze vorbereitet, erklärt der Artikel GAEB mit KI analysieren und kalkulieren.
Die Entscheidung mit der Bestellung ablegen
Speichern Sie den Preisspiegel zusammen mit dem ausgewählten Angebot und den Antworten auf Ihre Rückfragen. Notieren Sie einen abweichenden Liefertermin, eine bestätigte Alternative oder den Grund für die Wahl eines teureren Anbieters. Der Kollege, der später bestellt, braucht genau diese Angaben. Die niedrigste Zahl allein erklärt Ihre Entscheidung nicht.